Nutzungsdauer von Baumaterialien


Hintergrund

Die Nutzungsdauer von Gebäuden, Bauteilen und Baustoffen spielt eine wesentliche Rolle für die ökologische Gebäudequalität. Gebäudekomponenten, die doppelt so lange halten wie Alternativprodukte, könnten mit höherem Aufwand hergestellt werden und dennoch in der Gesamtbetrachtung ökologisch besser abschneiden. In der Lebenszyklusbetrachtung von Gebäuden sollten daher die Nutzungsdauern Eingang finden.

Die Nutzungsdauer eines Baustoffs beginnt mit dem Einbau des Baustoffs in das betrachtete Gebäude und endet mit dem Ausbau.

Ausgangspunkt der Nutzungsdauer-Betrachtungen stellt die technische Lebensdauer dar. Die technische Lebensdauer ist definiert als jener Zeitraum, der sich von der Errichtung eines Gebäudes oder eines seiner Teile bis zum Verlust der funktionalen Anforderungen erstreckt. Die technische Lebensdauer wird außer den materialinhärenten Eigenschaften von zahlreichen Faktoren wie Umwelteinflüssen, Nutzerverhalten oder Fehlern in der Planung und Ausführung beeinflusst.

In die Nutzungsdauer eines Baustoffs fließen außer der technischen Lebensdauer noch wirtschaftliche, ästhetische, komfortbezogene und wohnhygienische Ansprüche ein. Diese Ansprüche können bewirken, dass Bauteile früher ausgetauscht werden, als es ihrer technischen Lebensdauer entsprechen würde. Die technische Lebensdauer ist somit der maximal erreichbaren Nutzungsdauer gleichzusetzen.

Zu beachten ist, dass das Ende der Nutzungsdauer einer Bauteilschicht auch den Ausbau und die Zerstörung anderer Bauteilschichten bedingen kann, deren Nutzungsdauer noch lange nicht erreicht wäre.


Modellierung der Nutzungsdauer im baubook-Rechner für Gebäude

Auf Grund der vielen Einflussfaktoren kann eine Nutzungsdauerprognose nur am konkreten Gebäude unter Kenntnis der konkreten Einbaubedingungen erfolgen. baubook unterstützt die Eingabe von Nutzungsdauern durch Vorschlagswerte. Die Vorschlagswerte sind materialunabhängig und orientieren sich an der Funktion der Bauteilschicht im Gebäude:
Die Vorschlagswerte können (und sollen) durch gebäude- und produktspezifische Werte ersetzt werden.

Der Vorschlagswert für Gebäude beträgt 100 Jahre.

Aus den angenommenen Nutzungsdauern resultieren Austauschraten für die Baustoffe. So muss z.B. ein Bodenbelag, dem eine Nutzungsdauer von 25 Jahren zugeordnet wurde, in einem Betrachtungszeitraum von 100 Jahren dreimal ausgetauscht werden. Das vereinfachte Gebäudebilanzierungsmodell sieht in diesem Fall vor, dass der Boden jedes Mal mit dem gleichen ökologischen Aufwand hergestellt wird. Für das Bodenbelags-Beispiel bedeutet das, dass die Ökobilanz-Indikatoren für die Herstellung mit dem Faktor vier multipliziert werden, um alle Herstellungsaufwände zu berücksichtigen. Die ÖNORM EN 15804 sieht vor, dass nur ganzzahlige Austauschraten verwendet werden. Dies ist in den Formeln des baubook-Ökobilanzrechners berücksichtigt.


Detaillierteres Nutzungsdauermodell

Ein detaillierteres Nutzungsdauer-Modell wurde vom IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie GmbH im Projekt „Nachhaltig Massiv – Nutzungsdauern von Baustoffen und Bauteilen“ erarbeitet (Kurzfassung publiziert in ZELGER et al, 2009, Baustoffliste mit Nutzungsdauern publiziert unter www.ibo.at/de/ecosoft.htm). In dieser Arbeit wurde der Weg beschritten, auf Grund von statistischen Auswertungen, vertiefenden Analysen und übergeordneten Plausibilitätsüberlegungen zu belastbaren maximalen Nutzungsdauern zu kommen.


Quellen

ZELGER et al (IBO): Erweiterung des OI3-Index um die Nutzungsdauer von Baustoffen und Bauteilen. Forschungsinitiative „Nachhaltig Massiv“, Arbeitspaket 3, gefördert aus Mitteln des Programms „ENERGIE DER ZUKUNFT“ und des Fachverbands der Stein- und keramischen Industrie der Wirtschaftskammer Österreich. Endbericht vom 22.10.2009
DOl: http://www.ibo.at/de/forschung/referenzliste.htm

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