Wegweiser "Kunststofffrei bauen?"

Analyse der Gefahren und Risiken über den gesamten Lebenszyklus von Bauprodukten aus und mit Kunststoffen

Von kunststofffarm hin zu kunststofffrei 

Kunststoff ist auch aus dem Bauwesen nicht wegzudenken, doch sind die langfristigen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt noch nicht hinreichend erforscht. In diesem Projekt sollen Indikatoren für die Relevanz von Kunststoffen für verschiedene Einsatzzwecke in allen Lebenszyklusphasen entwickelt werden. So soll eine transparente Bewertung als Entscheidungsgrundlage für Planende und Bestellende dargestellt werden.

„Der schlechten Prognose den Vorrang zu geben gegenüber der guten, ist verantwortungsbewusstes Handeln im Hinblick auf zukünftige Generationen.“ So definierte Hans Jonas 1979 das Prinzip der Vorsorge.

Der massive Einsatz von Kunststoffen (2019 waren es weltweit 368 Mio. t) hat zu einem der größten weltweiten Probleme geführt, etwa gleichbedeutend mit dem Klimawandel (Fraunhofer-Institut Umsicht, 2018). Dementsprechend sind heute Kunststoffe nicht nur in allen Umweltkompartimenten zu finden, sondern auch in Lymphknoten von Feldhasen (Romana Hornek-Gausterer et al., 2021) oder in der Plazenta von Menschenbabie (Antonio Ragusa, 2021).

Einmal produziert, können Kunststoffe nicht mehr vollständig entfernt werden. Selbst nach Verbrennen in Müllverbrennungsanlagen verbleibt ein Teil als Mikroplastik in der Schlacke (Zhan Yang, 2021). Die Freisetzung von Kunststoffen auf Baustellen ist der sechstgrößte Eintragungspfad von Mikroplastik in die Umwelt (FraunhoferInstitut Umsicht, 2018). Die Entwicklung von Indikatoren für Bauprodukte, welche die realen Gefahren und Risiken von Kunststoffen während ihres gesamten Lebenszyklus auf Grund aktueller wissenschaftlicher Daten widerspiegelt, ist nicht zuletzt auf Grund des Vorsorgeprinzips das Gebot der Stunde. Angewendet auf Bauprodukte, ähnlich einer Ökobilanz, können solche Indikatoren nachhaltiges Bauen effektiv vorantreiben. In einer einfachen öffentlich zugänglichen Datenbank können Bauprodukte im Vergleich dargestellt werden und so das öffentliche Bewusstsein für die Problematik fördern und Architekt:innen, Planende, Bauherren und Bauherrinnen und Entscheidungsträger:innen dabei unterstützen nachhaltiges Bauen in die Tat umzusetzen.

Referenzen

Fraunhofer Institut UMSICHT (2018): Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT: Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik. Ursachen, Mengen, Umweltschicksale, Wirkungen, Lösungsansätze, Empfehlungen. Juni 2018. Online: http://publica.fraunhofer.de/dokumente/N-497117.html (abgerufen am 23.02.2022)

Hornek-Gausterer, R. H.; Oberacher, H.; Reinstadler, V. et. al.: A preliminary study on the detection of potential contaminants in the European brown hare (Lepus europaeus) by suspect and microplastics screening. Juli 2021. Online: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666765721000168# abgerufen zuletzt am 23.02.2022

Ragusa et al (2021): Ragusa, A. S. et al (Jänner 2021).Plasticenta: First evidence of microplastics in human placenta.Environment International, S. Online: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0160412020322297# abgerufen zuletzt am 23.02.2022

Zhan Yanga et al (2021): Is incineration the terminator of plastics and microplastics? Journal of Hazardous Materials, Volume 401, 2021. Online: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0304389420314187 (abgerufen am 23.02.2022)

Projektteam 

Hochschule München, Fachgebiet Bauklimatik (Projektleitung): Prof. Natalie Eßig M. Eng. Franziska Pichlmeier 
IBO - Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie GmbH,  Projektverantwortliche: DI Astrid Scharnhorst
baubook GmbH, Projektverantwortliche: Mag. Hildegund Figl

Forschungszeitraum 

März 2023 – August 2025

Fördergeber

Dieses Projekt wurde gefördert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen aus Mitteln der Zukunft Bau Forschungsförderung.

Kontakt

Mag. Hildegund Figl
Mag. Hildegund Figl
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