9. 7. 2020

Harmonie am Bodensee: Interreg-Projekt „wohngesund“

Die breite Umsetzung von schadstoffarmen Wohnräumen in der Bodenseeregion ist das übergeordnete Ziel des Interreg-Projekts „wohngesund“.  

 

Dazu sollen länderspezifische Unterschiede in den Standards für gesundheitsverträgliche Wohnbauten sichtbar und verständlich gemacht werden. Vielleicht ist sogar eine Harmonisierung der Standards möglich.

 

Emissionen aus Bauprodukten können die Qualität der Innenraumluft wesentlich belasten. Nicht selten sind bei Innenraummessungen höhere Schadstoffkonzentrationen als an stark befahrenen Straßenkreuzungen feststellbar. Da wir mehr als 90 % unserer Lebenszeit in Innenräumen verbringen, kann durch die richtige Wahl der Baumaterialien (Farben, Lacke, Putze, …) die Gesundheit und damit die Lebensqualität der Bewohner entscheidend verbessert werden.

 

Um die Realisierung derartiger Gebäude zu unterstützen, haben sich regionale Strukturen (z.B. Gütesiegel für Gebäude und Bauprodukte, Förderprogramme und öffentliche Ausschreibungsinitiativen) gebildet. Diese greifen auf Maßnahmen zurück, die das Bestellen und den Einbau emissionsarmer Bauprodukte ermöglichen. Die darin verwendeten Definitionen, Prüfvorgaben und Umsetzungshilfen sind jedoch unterschiedlich gestaltet. Dies behindert das Entstehen eines gemeinsamen Binnenmarktes für schadstoffarme und umweltverträgliche Bauprodukte. Gleichzeitig verfolgen die regionalen Initiativen unterschiedliche Strategien im Marketing und in der Gestaltung von Förderprogrammen.

 

 

Potentiale zur Harmonisierung von Kriterien

Eine Harmonisierung der produktspezifischen Anforderungen bietet große Chancen für die Hersteller von schadstoffarmen und umweltverträglichen Bauprodukten, da der Aufwand für die Deklaration der Bauprodukte deutlich reduziert wird. Die Marktvergrößerung erhöht die Anzahl der Anbieter und Produkte und erleichtert die Umsetzung von entsprechenden Gebäuden wesentlich.

Das überregionale Projektteam identifiziert daher im Interreg-Projekt „wohngesund“ Harmonisierungspotentiale in den Anforderungen von MinergieEco (CH), Bewertungssystem nachhaltiger Kleinwohnhausbau (D) und den ÖkoBauKriterien (A) und leitet daraus Handlungsempfehlungen ab. Die Umsetzung erfolgt anhand folgender Arbeitsschritte:

  • Erhebung der regionalen materialtechnischen Bewertungsstandards
  • Analyse der Kriterien, Anforderungen und Prüfnachweise für Gebäude und Bauprodukte (Differenzanalyse)
  • Erhebung und Feststellung der länderspezifischen fachlichen Unterschiede
  • Identifizierung von Potenzialen zur Weiterentwicklung der Kriterien im Hinblick auf Vermeidung von problematischen Chemikalien und Kunststoffen
  • Entwicklung und Festlegung gemeinsamer Ziele und Standards

 

 

Geplante Ergebnisse sind:

  • Länderspezifische Empfehlungen (Fahrpläne, Maßnahmen) zur Implementierung der gemeinsamen Ziel-Standards und
  • Entwicklung von Qualifizierungs- und Disseminationsmaßnahmen für relevante Zielgruppen.

 

 

Harmonisierung würde als Turbo wirken

Die Umsetzung schadstoffarmer Innenräume im Wohnbau deutlich beschleunigen würde die Harmonisierung von Kriterien in der Bodenseeregion jedenfalls, ist Projektmitarbeiter Christoph Sutter überzeugt. Sie würde es Herstellern erleichtern, gesunde Produkte zu entwickeln und sorgfältig zu deklarieren. Eine breitere Vielfalt an Produkten wiederum würde die Arbeit von der Planung bis zur Umsetzung vereinfachen. Labels täten sich leichter, gesunde Produkte über die Landesgrenzen hinaus einheitlich auszuzeichnen, was Konsumentinnen und Konsumenten zu mehr Entscheidungssicherheit verhelfen würde. Und schließlich könnten die Akteure leichter und besser voneinander lernen.

 

 

Vorbild ÖkoBauKriterien

In Österreich ist ein breite Harmonisierung der Kriterien bereits geglückt: 

Die „ÖkoBauKriterien“ bilden nicht nur die Basis für die ökologischen Beschaffungsprogramme „ÖkoKauf Wien“, Kommunalgebäudeausweis (KGA) und den Aktionsplan nachhaltige öffentliche Beschaffung (naBe), sondern stellen auch die Basis für Gebäudebewertungssysteme „klimaaktiv bauen und sanieren“, „Total Quality Building“, oder den neuen Standard Wohngsund in Vorarlberg.

Die ÖkoBaukriterien sind auf der baubook Plattform „ökologisch ausschreiben“ www.baubook.info/oea transparent und kostenlos einzusehen. Hersteller und Händler können hier die Eigenschaften ihrer Produkte entsprechend deklarieren.

 

 

Fakten zum Projekt "wohngesund - Standard für gesunde und ökologische Wohnbauten"

Förderprogramm:            Interreg V Alpenrhein Bodensee Hochrhein

Projektzeitraum:              1. Jänner 2019 bis 31. Dezember 2020

Gesamtkosten:                211.836,45 €

Interreg-Förderung:         107.664,75 €

Kofinanzierung CH:          11.338,32 €

 

 

Die Trägerorganisationen

  1. Energieinstitut Vorarlberg (AT)
  2. IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie (AT)
  3. Verein eco-bau (CH)
  4. Energieagentur Ravensburg (DE)
  5. baubook GmbH (AT)
  6. Hochschule München (DE)

 

 

Link: https://www.interreg.org/projekte/P1/SZ1/copy_of_abh079

 

 

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