Estriche
Estriche allgemein
Beschreibung
Estrich ist ein auf einem tragenden Untergrund oder auf einer zwischenliegenden Trenn- oder Dämmschicht hergestelltes Bauteil, das unmittelbar als Boden nutzfähig ist oder mit einem Belag, gegebenenfalls frisch in frisch, versehen werden kann. Je nach Verbindung zum tragenden Untergrund wird unterschieden in:
- Verbundestriche, die direkt mit dem tragenden Untergrund verbunden sind, wobei der Verbund ggf. durch eine Haftschlämme verbessert werden kann;
- Estriche auf Trennlage, die durch eine dünne Zwischenlage in Form von Folien, Pappen oder Ölpapier vom tragenden Untergrund getrennt sind;
- Schwimmende Estriche, die als lastverteilende Platten auf einer Dämmschicht aufgebracht werden, auf der Unterlage beweglich sind und keine direkte Verbindung mit angrenzenden Bauteilen haben.
In EN 18650-1 werden folgende Estriche auf Basis des Bindemittels unterschieden:
| Kurzzeichen | Bedeutung | |||
| CT | Zementestrich (Cementitious Screed) | |||
| CA | Calciumsulfatestrich (Calcium Sulfate Screed) | |||
| MA | Magnesiaestrich (Magnesite Screed) | |||
| AS | Gussasphaltestrich (Mastic Asphalt Screed) | |||
| SR | Kunstharzestrich (Synthetic Resin Screed) | |||
Nachnutzung
Bei der Nachnutzung von Estrichen erschwert der Verbund mit Trennmaterialien wie Dämmstoffen, Bitumen, Kunststoffen, Papier oder Pappe oft das Recycling; auch Bodenbeläge, Klebstoffe oder Beschichtungen haften oft fest auf dem Untergrund. Neben den Verunreinigungen aus dem Rückbau können auch Zusatzstoffe wie organische Zuschläge oder Armierungsfasern das Recyclingpotenzial beeinflussen. Abgebrochenes Estrichmaterial wird daher nach wie vor häufig deponiert. Die Deponierung von Estrichabfällen mit einem höheren Anteil an organischen Stoffen (Kunstharzestrich, Steinholzestrich, Verunreinigungen aus angrenzenden Schichten) muss im Einzelfall beurteilt werden.
Für das Recyclingpotenzial ist die Zusammensetzung des Estrichmaterials (im Besonderen das Bindetmittel) von Bedeutung.
Detaillierte Informationen zum Baustoff und zur Nachnutzung siehe: https://www.wecobis.de/bauproduktgruppen/moertel-estriche-pg/estriche-pg.html (geplante Publikation der neuen Texte: Nov 26)
Calciumsulfatestrich
Beschreibung
Calciumsulfat-Estriche (früher: Anhydritestriche) enthalten Calciumsulfat als Bindemittel - überwiegend in Form von Anhydrit aus natürlichen Vorkommen oder aus technischen Prozessen. Calciumsulfat, besteht aus Mischungen abbindefähiger CaSO4-Phasen, wie Naturanhydrit, alpha-Calciumsulfat-Halbhydrat oder synthetischer Anhydrit. Calciumsulfat-Binder (Mindestanteil 85% CaSO4) und Calciumsulfat-Compositbinder (50% - 85% CaSO4) sind für die Herstellung der Fließestriche auf Calciumsulfatbasis geeignet. Als Zuschlag können mineralische Stoffe wie Quarzsand, Kalkstein oder Naturanhydrit verwendet werden. Die Mörtel können darüber hinaus Zusatzstoffe (z.B. Füllstoffe) und Zusatzmittel wie Anreger, Verzögerer oder Fließmittel enthalten . Der Gehalt an Zusatzmitteln liegt im Allgemeinen unter 5 % bezogen auf dem Bindemittelanteil.
Nachnutzung
Anhydrit ist durch die erhöhte Sulfatfracht ein kritischer Störstoff für die Aufbereitung von mineralischen Baurestmassen zu rezyklierten Gesteinskörnungen ("Sulfattreiben"). Calciumsulfatestriche sollten daher z.B. nicht als Verbundestriche auf Betonoberflächen aufgebracht werden.
Zukünftig wird das Recycling von Calciumsulfaten wie Gips und Anhydrit einen wichtigeren Beitrag zur Rohstoffversorgung der Gipsindustrie leisten müssen. Calciumsulfatestriche sind neben Gipsplatten eine zweite, massenmäßig interessante Quelle für die Herstellung von Recyclinggips.
Detaillierte Informationen zum Baustoff und zur Nachnutzung siehe: https://www.wecobis.de/bauproduktgruppen/moertel-estriche-pg/estriche-pg/fliessestrich-calciumsulfat-pg.html (geplante Publikation der neuen Texte: Nov 26)
Gussasphaltestrich
Beschreibung
Gussasphaltestrich (AS) ist ein Estrich, der aus dem Bindemittel Bitumen und Gesteinskörnungen hergestellt wird. Er findet im Hoch- und Industriebau Verwendung. Der Bitumenanteil beträgt 7 bis 10 M-%. Der Korndurchmesser des Größtkorns erhöht sich mit der Schichtdicke des Estrichs. Für Innenräume im Wohnungsbau wird ein Größtkorn von 5,6 mm bis 8 mm, bei Industrie- und Parkdeckestrichen in der Regel von 8 mm und bei großen Flächen, die maschinell eingebaut werden können, von 11,2 mm verwendet .
Nachnutzung
Da Gussasphalt rein physikalisch durch Erhitzen verflüssigt und durch Abkühlen fest wird, lässt er sich beliebig oft einschmelzen und neu aufbereiten. Für Straßenasphalt wird Recycling dementsprechend schon in großem Maße praktiziert. Gussasphaltabbruch muss allerdings möglichst frei von Verunreinigungen sein. Aufnahmekriterien von Recyclinganlagen schließen daher Gussasphaltestrich mit starken Anhaftungen wie z. B. Bodenbelägen aus.
Detaillierte Informationen zum Baustoff und zur Nachnutzung siehe: https://www.wecobis.de/bauproduktgruppen/moertel-estriche-pg/estriche-pg/gussasphaltestrich-pg.html (geplante Publikation der neuen Texte: Nov 26)
Kunstharzestrich
Beschreibung
Kunstharzestriche (SR, bzw. "Synthetic Resin Screed") sind Estriche mit Kunstharz (meist Epoxidharz, aber auch Polyurethan, Polymetacrylate oder Polyesterharz + Härter) als Bindemittel, quarzitischen Gesteinskörnungen (feuergetrocknet) und gegebenenfalls Zusatzstoffen. Der Bindemittelanteil beträgt ca. 10 bis 25 %. Kunstharzestriche werden v.a. im Industriebau für höchstbelastete Böden oder Maschinenfundamente eingesetzt.
Nachnutzung
Kunstharzestriche sind nicht für die Aufbereitung zu rezyklierten Gesteinskörnungen geeignet. Über eine sonstige stoffliche Verwertung von Kunstharzestrich ist nichts bekannt. Kunstharzestriche haben auch keinen bzw. einen sehr geringen Heizwert, denn trotz des organischen Bindemittels und der Zusatzstoffe ist der mineralische Anteil hoch. Die Ablagerung von Abfällen aus Kunstharzestrichen muss im Einzelfall beurteilt werden. Die Abfälle müssen ggf. vor einer Ablagerung zur Reduzierung des organischen Anteils thermisch behandelt werden.
Detaillierte Informationen zum Baustoff und zur Nachnutzung siehe: https://www.wecobis.de/bauproduktgruppen/moertel-estriche-pg/estriche-pg/kunstharzestrich-pg.html (geplante Publikation der neuen Texte: Nov 26)
Magnesiaestrich
Beschreibung
Magnesiaestriche (ME) sind Estriche mit einem Bindemittel aus kaustisch gebranntem Magnesia (MgO), das zur schnelleren Hydratation einen Anreger (meist Magnesiumchloridlösung) benötigt. Sie finden v.a. als Industrieböden Verwendung. Hier werden sehr hohe Druckfestigkeiten von 40 bis 80 N/mm² erreicht. Sofern es der Untergrund zulässt, können sie ohne Fugen verlegt werden. Füllstoffe sind entweder organisch (Sägespäne, Textilfasern, Papiermehl, Korkmehl, Gummi) oder anorganisch (Quarzsand, Bims). Mit organischen Füllstoffen bis Rohdichte 1600 kg/m³ wird Magnesiaestrich als Steinholzestrich bezeichnet.
Nachnutzung
Magnesiaestrich ist kein Ausgangsmaterial für rezyklierte Gesteinskörnungen. Für Magnesiaestrich mit organischen Füllstoffen wie Holzmehl, Kork oder Textilfasern ist auch eine direkte Verwendung als klassischer RC-Schotter für den Straßenbau auszuschließen.
Das Bindemittel Magnesiumoxid (Magnesia) kann grundsätzlich rezykliert werden. Dafür muss es aus dem Baustoff zurückgewonnen werden. Für saubere Holzwolleplatten wird das bereits von einem Unternehmen praktiziert. Ob die Rückgewinnung des Bindemittels aus Magnesiaestrichen ebenfalls möglich wäre, ist nicht bekannt. Über alternative Recyclingmöglichkeiten für Magnesiaestrich ist nichts bekannt.
Detaillierte Informationen zum Baustoff und zur Nachnutzung siehe: https://www.wecobis.de/bauproduktgruppen/moertel-estriche-pg/estriche-pg/magnesiaestrich-pg.html (geplante Publikation der neuen Texte: Nov 26)
Zementestrich
Beschreibung
Zementestriche (CT) sind Estriche aus Zement, Gesteinskörnung (Größtkorn i.d.R 8 mm) und Wasser sowie gegebenenfalls Zusatzstoffe und Zusatzmittel wie z. B. Fließmittel (→ Betonverflüssiger, Verzögerer, Beschleuniger, (Zementschnellestrich), zur Verbesserung der Verarbeitbarkeit (z. B. zur Herstellung von Fließestrich) und/oder der späteren Eigenschaften.
Nachnutzung
Zementestriche können im Rahmen der Aufbereitung von mineralischen Baurestmassen zu rezyklierten Gesteinskörnungen für Beton mitverwertet werden. Als explizites Ausgangsmaterial eignet sich Zementestrich wegen der hohen Feinanteile mit 0-4 mm nicht, weshalb er bei der Gewinnung von RC-Gesteinskörnungen eher störend ist und ausgesiebt wird.
Detaillierte Informationen zum Baustoff und zur Nachnutzung siehe: https://www.wecobis.de/bauproduktgruppen/moertel-estriche-pg/estriche-pg/zementestrich-pg.html (geplante Publikation der neuen Texte: Nov 26)