Der neue ÖkoBauKriterien-Katalog 2026 ist da

Die ÖkoBauKriterien wurden nach fünf Jahren Gültigkeit umfassend aktualisiert und im September 2026 auf www.baubook.at/oea als Kriterienkatalog 2026 veröffentlicht.

Was sind die ÖkoBauKriterien?

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Ziel der ÖkoBauKriterien ist es, die Auswahl von Baustoffen stärker nach ökologischen Gesichtspunkten auszurichten. Die Kriterien sind österreichweit und darüber hinaus harmonisiert: Sie finden sich in den „ÖkoKauf Wien-Kriterienkatalogen“ für Hochbau und Innenausbau ebenso wie im „Vorarlberger Kommunalgebäudeausweis“ (KGA), im „LNB – Leitfaden Nachhaltig Bauen“ des Landkreises Ravensburg sowie in den Kriterienkatalogen des Bundes („naBe“ und „klimaaktiv“). Die Kriterien sind außerdem mit allen relevanten Richtlinien des Österreichischen Umweltzeichens im Baubereich harmonisiert.

Die ÖkoBauKriterien legen Mindestanforderungen fest und definieren die dafür erforderlichen Nachweise. Sie beziehen sich jeweils auf genau festgelegte Produktgruppen. Zusätzlich gibt es Erläuterungen und bei Bedarf Links zu ergänzenden Hintergrundinformationen. Die Mindestanforderungen sind so formuliert, dass sie einfach in Leistungsverzeichnisse übernommen werden können. Die Kriterienkataloge werden von Expert:innen aus unterschiedlichen Fachbereichen – etwa Chemie, Ökotoxikologie, Bauphysik, Bauingenieurwesen und Architektur – erarbeitet und anschließend auf ihre rechtliche Gültigkeit überprüft. Laut einem Erlass des Wiener Magistratsdirektors sind die ÖkoKauf-Wien-Kriterienkataloge für alle Bauvorhaben der Stadt Wien verbindlich anzuwenden. 

Was ist neu?

Die Neuerungen im ÖkoBauKriterien-Katalog 2026 umfassen sowohl gänzlich neue Kriterien als auch überarbeitete Anforderungen, etwa durch angepasste Grenzwerte oder fachliche Präzisierungen. Zur schnellen Orientierung sind neue Kriterien in der baubook mit dem Label„NEU“ und geänderte Kriterien mit dem Label„UPDATE“ gekennzeichnet. Die Dokumentation der Neuerungen im Kriterienkatalog 2026 gegenüber dem Katalog 2020 ist derzeit in Arbeit. Im Folgenden werden einige zentrale Überarbeitungen vorgestellt.

Im Kriterienkatalog 2026 wurden weitere Stoffe mit gefährlichen Eigenschaften beschränkt. In eckiger Klammer ist jeweils die Nummer des betreffenden Kriteriums angegeben; die relevanten Produktgruppen sind in baubook bei der Beschreibung des jeweiligen Kriteriums zu finden:

  • Endokrine Disruptoren sind chemische Substanzen, die das Hormonsystem stören, indem sie die Wirkung natürlicher Hormone nachahmen, blockieren oder verändern. Seit April 2023 hat die EU die Kennzeichnung solcher Stoffe eingeführt; ab 1. Mai 2028 ist sie für alle Stoffe und Gemische verpflichtend [2.2.18 und 2.2.19].
  • Stoffe, die als toxisch für spezifische Zielorgane (STOT Kat. 1 und 2) gekennzeichnet sind, wurden von Umweltzeichen schon länger ausgeschlossen. Nun wurden diese Stoffe auch in die Liste der beschränkten Stoffe der ÖkoBauKriterien aufgenommen [2.2.17].
  • Persistente organische Stoffe gemäß POP- oder CLP-Verordnung sind nun ebenfalls explizit ausgeschlossen [2.2.20].
  • Das Inverkehrbringen von ozonabbauenden Stoffen mit H420 ist EU-weit bereits verboten. Da im Rahmen der DNSH-Kriterien der EU-Taxonomie dennoch ein Nachweis gefordert wird, wurde das Kriterium aus formalen Gründen ebenfalls in die ÖkoBauKriterien aufgenommen [2.2.21].
  • PFAS gelten als besonders bedenklich, weil sie in der Umwelt sehr persistent sind, d. h. sich praktisch nicht abbauen, und werden daher auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. PFAS können sich in Böden, Gewässern, Tieren und im menschlichen Körper anreichern. Studien zeigen Zusammenhänge mit Krebs, Hormonstörungen, Immunschwäche und Fortpflanzungsproblemen [2.2.22].
  • Organophosphatester (OPEs) wurden als Ersatz für die durch das Stockholmer Übereinkommen verbotenen polybromierten Diphenylether (PBDEs) eingeführt. Eine vergleichende Analyse und ein „bedauerliches Substitutionsdilemma“ von Qadeer et al. (2024) zeigt, dass die physikalischen und chemischen Eigenschaften, das Umweltverhalten und die globalen Konzentrationen von PBDEs und OPEs ähnlich sind und sich in vielen Fällen überschneiden [2.2.23].

Einige Kriterien wurden an neue gesetzliche Rahmenbedingungen angepasst. So hat beispielsweise die Verordnung (EU) 2024/573 über fluorierte Treibhausgase die österreichische HFKW-FKW-SF6-Verordnung, BGBl. II 447/2002, abgelöst [2.2.3 „Beschränkung von klimaschädlichen Substanzen“]. Die zuvor in [2.2.10] beschränkten gesundheitsgefährdenden Stoffe sind teilweise ohnehin als KMR [2.2.1] eingestuft bzw. zählen zu den Phthalaten [2.2.6]. Das Kriterium wurde daher auf die Beschränkung von 2-Butoxyethylacetat reduziert.

Die Grenzwerte für flüchtige organische Verbindungen (VOC) wurden vorwiegend vereinfacht [2.5.X]. So gibt es keine zusätzlichen Anforderungen an SVOC mit sensibilisierenden Eigenschaften mehr, da der zulässige SVOC-Gehalt ohnehin sehr niedrig liegt. Bei den Anforderungen an die nachhaltige Holzbewirtschaftung [3.3.X] wurden die erforderlichen Anforderungen und Nachweise aktualisiert, ebenso bei den Grenzwerten für VOC- und SVOC-Emissionen [5.1.X]. Bei den Grenzwerten für SVOC- und VOC-Emissionen aus elastischen und textilen Bodenbelägen sowie bei Dämmstoffen wurde außerdem ein Grenzwert für Formaldehydemissionen ergänzt, den die EU-Taxonomie-Verordnung vorschreibt.

Es gibt nun auch ÖkoBauKriterien für Dachbegrünungsprodukte. Diese wurden mit Unterstützung des Interreg-Alpenrhein-Hochrhein-Projekts „zukunftsgrün“ erstellt. Im Einklang mit den Förderbedingungen der Stadt Wien für Gründächer gilt der Ausschluss von Bioziden und durchwurzelungshemmenden Wirkstoffen nun für alle Dichtungsbahnen [2.6.9 und 2.6.10].

Wie geht es weiter?

Im nächsten Schritt werden die Anwender:innen die Kriterien in ihre Beschaffungs- und Bewertungssysteme integrieren und bekannt geben, ab wann die neuen Kriterien in Kraft treten werden. Der Kriterienkatalog 2020 bleibt jedenfalls noch länger für laufende Projekte auf baubook publiziert.

Quelle

Qadeer, A.; Mubeen, S.; Liu, M.; Bekele, T. G.; Ohoro, C. R.; Adeniji, A. O.; Alraih, A. M.; Ajmal, Z.; Alshammari, A. S.; Al-Hadeethi, Y.; Archundia, D.; Yuan, S.; Jiang, X.; Wang, S.; Li, X.; Sauvé, S. (2024): Global environmental and toxicological impacts of polybrominated diphenyl ethers versus organophosphate esters: A comparative analysis and regrettable substitution dilemma. Journal of Hazardous Materials, Volume 466, 2024, 133543, ISSN 0304-3894. DOI: 10.1016/j.jhazmat.2024.133543.

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