Freisetzung von Mikroplastik durch den Baubereich

Quelle: wohngesund, 31.12.2021

Das Bewusstsein zur Freisetzung von Mikroplastik aus dem Baubereich hat sich erst in den letzten Jahren entwickelt. Die Studie "Kunststoffe in der Umwelt" [1] identifizierte Gebäude, Verkehr und Infrastruktur als die wichtigsten Quellen für Mikroplastik. Hier sollten prioritär Maßnahmen ergriffen werden. Die Studie „Plastik in der Schweizer Umwelt“ [2] im Auftrag des Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU) kommt zu ähnlichen Ergebnissen für die Schweiz, wobei die Schweizer Daten zum Großteil auf der Hochrechnung der Fraunhofer Studie beruhen.

Die politischen Strategien der EU und der Mitgliedsländer konzentrieren sich aktuell vor allem auf Verpackungsmaterialien und auf den direkten Einsatz von Mikroplastik in Produkten (bzw. in der Folge auf die direkte Freisetzung von Mikroplastik aus Produkten). Im Baubereich ist aber vor allem die diffuse Freisetzung von Makroplastik bzw. Mikroplastik wie zum Beispiel Abrieb- und Schnittverluste von Dämmstoffen aus Bautätigkeiten wie Abbrucharbeiten und Verarbeitung von Kunststoffprodukten auf der Baustelle oder der Abrieb von Gebäudefassaden ein Problem. Mikroplastik, dass bei Abbruchtätigkeiten, Recycling und Entsorgung anfällt, kann wegen der langen Lebensdauern von Bauprodukten außerdem mittlerweile verbotene Schadstoffe enthalten und eine zusätzliche Belastung für die Umwelt darstellen. 

Entsprechend dem noch hohen Forschungsbedarf in der Identifizierung von Quellen fehlt es noch an konkreten Maßnahmenpaketen. Ein wesentlicher ökologischer Nachteil von Kunststoffen, der zur Mikroplastik-Problematik führt, ist ihre hohe Persistenz (Nichtabbaubarkeit) in der Umwelt. Biologisch abbaubare Kunststoffe spielen aktuell im Baubereich keine Rolle, sie könnten aber zukünftig für bestimmte Anwendungsgebiete eingesetzt werden und so zumindest theoretisch eine Chance im Kampf gegen die Anreicherung von Mikroplastik in der Umwelt sein. Nach Analyse der aktuellen Normenlage und dem aktuellen Stand des Wissens stellen biologisch abbaubare Kunststoffe jedoch keine Lösung für das Problem der Verschmutzung der Umwelt durch Kunststoffe bzw. Mikroplastik dar (siehe auch Empfehlungen in ).

Grundsätzlich mögliche Ansätze im Baubereich sind:

  1. Vermeidung von Kunststoffen im Baubereich
  2. Vermeidung der Freisetzung von Mikro- und Makroplastik bei Bautätigkeiten
  3. Vermeidung der Freisetzung von Mikroplastik aus bestimmten Bauprodukten wie zum Beispiel Farben
  4. Vermeidung von zusätzlichen Belastungen durch Abbruchtätigkeiten und Entsorgungsprozessen in Zusammenhang mit Kunststoffen, die mittlerweile verbotenen Schadstoffe enthalten.
Ein gänzliches Kunststoffverbot im Rahmen der Gebäudelabels stellt beim aktuellen Stand der Baupraxis und angesichts der hohen Mengen an Kunststoffen, die als Bauprodukte oder als Zusatzstoffe in Bauprodukten eingesetzt werden, keine realistische Alternative dar. Im ersten Schritt ist es daher wichtig, die Datenlage zu Quellen, Eintragspfaden und Transportprozessen von Kunststoffen zu verbessern und im Sinne des Vorsorgeprinzips bei mangelnder Datenlage zu prüfen, wie Kunststoffeinträge in die Umwelt reduziert werden können.
Ein konkreter Maßnahmenkatalog konnte im Rahmen des Projekts nicht ausgearbeitet werden. Wegen seiner enormen Umweltrelevanz priorisieren die Programmbetreiber*innen das Thema aber weiterhin als Entwicklungsschwerpunkt.

Referenzen

[1] Fraunhoferinstitut UMSICHT (2018, Juni): Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik. Online: https://www.umsicht.fraunhofer.de/content/dam/umsicht/de/dokumente/publikationen/2018/kunststoffe-id-umwelt-konsortialstudie-mikroplastik.pdf

[2] EBP (2020): Plastik in der Schweizer Umwelt. Wissensstand zu Umweltwirkungen von Kunststoffen (Mikro- und Makroplastik) Im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU), 2020. Online: https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/abfall/externe-studien-berichte/plastik-in-der-schweizer-umwelt.pdf.download.pdf/plastik-in-der-schweizer-umwelt.pdf
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